Geschichte

Während es nach dem Ende des zweiten Weltkrieges auf dem Gebiet der BRD für
Studenten wieder möglich wurde, sich in Studentenverbindungen zu organisieren, wurden diese auf dem Gebiet der DDR unterdrückt und verboten. Mit den frühen 1980er Jahren ging eine allgemeine gesellschaftliche Entspannung einher. So erkannte nun auch die SED bestimmte Errungenschaften und damit einhergehend Traditionslinien von Korporationen in
Zusammenhang mit der Einigung Deutschlands an. So wurde es den Studenten der DDR in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre zusehends möglich, sich wieder mit couleurstudentische Traditionen zu beschäftigen und diese neu zu entdecken.

Bereits ab 1985 gab es unter den Tharandter Studenten den schöner Brauch, zum Herrentag singend und blasend durch Tharandt und die umliegenden "Bierdörfer" zu ziehen und den Professoren und Dozenten ein Ständchen zu bringen.

Während einer Exkursion von Tharandter Forststudenten zum Herrentag im Jahre 1987 nach Eisenach/ Thüringen ( Südexkursion ) kam bei einigen dieser Studenten der Wunsch auf, sich doch regelmäßig zu treffen um die schönen Studentenlieder zu singen. Obwohl die politischen Verhältnisse sich entspannt hatten, ließen sie damals jedoch noch keine organisierten Studentenverbindungen zu. Trotzdem kam es in der folgenden Zeit immer wieder zu heimlichen Treffen von Studenten, deren Interesse mit der Zeit auch über das studentische Liedgut hinauswuchs. Jagd- und Studentenlieder wurden aus einem alten Kommersbuch per Hand abgeschrieben, und in mühseliger Kleinarbeit nähte man sich schwarz-weiß-grüne Bänder in den alten deutschen Jägerfarben. In der Leihgarderobe des Schauspielhauses Dresden fand man eine alte Studentenmütze, grün mit schwarz- weißer Borte. Gegen einige Päckchen Kaffee ließen sich die Arbeiterinnen in der "VEB Hutfabrik Dresden" überreden, Duplikate von diesen Mützen anzufertigen, zum Stückpreis von 34,- M.

Mit der Zeit gewannen diese ersten Entwicklungen an Schwung und in der Bibliothek, auf den Hausböden der Lehrgebäude und bei vielen alten Tharandter Bürgern tauchten immer mehr alte Studentika auf. Plötzlich bekam man Paukbücher, Kommersbücher, Bilder, Chargiertenstiefel usw. in die Hand und mußte beginnen, die Geschichte um sich herum neu zu ordnen. In Anlehnung an einen der meistgefundenen Begriffe nannte man sich nun "Burschenschaft Silvania" in den Farben schwarz-weiß-grün.

Der Zufall wollte es, daß man 1989 mit einigen ähnlich gesinnten Hallenser und Leipziger
Studenten zusammentraf. Im Gespräch wurde bald klar, daß man sich zusammenschließen wollte. Es entstand die "Rudelsburger Allianz", welche ausschließlich ostdeutsche Korporationen vereinte, die bereits vor der Wende existierten.

Im Februar 1990 wurde dann auf einem großen Gründungskommers in der Gaststätte
"Zum Bahnhof" in Tharandt die jagdlich orientierte Verbindung "Silvania" ins Leben gerufen. Diese Verbindung existierte in dieser Form allerdings nur ein Semester. Auf die Gründungsannonce in "Wild und Hund" antworteten die Traditionsträger des Kösener Corps Silvania und meldeten Zweifel an der Stellung dieser Verbindung an. Sie legten nahe, doch wieder den alten Corps-Status mit allen Rechten und Pflichten anzunehmen. Obwohl hier eine über 100-jährige Verbindung wieder aktiv wurde, gab es unter den Aktiven auf mehreren Conventen Auseinandersetzungen. Die eine Gruppe wollte das verlockende Angebot annehmen, während sich die Mehrzahl gegen das zwingende Schlagen und den überstürzten Beitritt zu einem Dachverband aussprach.

Das Unausweichliche kam und ab dem WS 1990/91 gab es zwei Tharandter Verbindungen.
Am 8.November 1990 wurde mit 14 Aktiven die "Forstakademische Jagdcorporation Cervidia zu Tharandt" gegründet. Nach dem Hin und Her der vorangegangenen Semester fand sich hier eine verschworene Gruppe von Forststudenten zusammen, denen schon recht genau die Ziele und Aufgaben ihrer Verbindung vorschwebten:

  • Lebensbundprinzip
  • Studentische Traditionspflege
  • das deutsche Waidwerk und die Unterstützung der Kommilitonen in allen Belangen der Jagd
  • Pflege des jagdlichen Brauchtums, insbesondere des Jagdhornblasens
  • Toleranz gegenüber allen polit. Meinungen sowie gegenüber den anderen Studentenverbindungen 
  • Die Cerviden zeigen sich nach außen durch das Tragen der Farben schwarz-weiß-grün und der grünen Mütze.
     

In der Folge kam im SS 1991 der erste Kontakt zum Wernigeroder Jagdkorporationen Senioren-Convent zustande. Drei Aktive fuhren spontan zum Übergabekommers des Dachverbandes nach Spangenberg. Recht schnell knüpfte man Kontakte zur "Studentischen Jägerschaft "Huberto-Brunonia" zu Braunschweig und erfuhr von den Traditionen des "Jagdcorps "Saxo-Frankonia zu Tharandt". Im Jahr 1994 trat die Cervidia dem WJSC als vollwertiges Mitglied bei.
Seitdem verbringen die Mitglieder der Cervidia alljährlich Chrisi Himmelfahrt gemeinsam mit ihren Verbandsbrüdern auf der Verbandstagung des WJSC in Wernigerode.